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Ein neues Ausstellungsstück von Toni Koy

„Wir fanden die kleinen Stückchen am Strand, leuchtend hell und dunkel, klar und matt. Zu brauchen waren sie zu nichts, aber zum Freuen waren sie da.“ Erste Begegnungen einer Künstlerin mit ihrem späteren Werkstoff. Toni Koy, 1896 in Wormditt in Ostpreußen geboren, war eine der großen Goldschmiedemeisterinnen ihrer Zeit. Ihre Arbeiten sind oft von genialer Einfachheit und Perfektion. Edles Metall und Bernstein lässt sie zu einer unübertroffenen Symbiose verschmelzen. 1901 zieht die Familie nach Königsberg. Als junges Mädchen träumt sie davon, Schmuck zu schaffen, gleichwertig einer simplen Saat-Wucherblume, die sie am Wegesrand findet. Sie studiert an der Zeichenakademie in Hanau, hier beginnt sie mit Bernstein zu arbeiten. Später, in der eigenen Werkstatt in Königsberg, hat sie das Glück, sich besondere, einzigartige Stücke mit Einschlüssen von Pflanzen und Insekten aus dem Bernsteinwerk aussuchen zu dürfen.

Agnes Miegel besucht Toni Koy im Dezember 1936 in ihrer Königsberger Werkstatt. „Zwei unendlich geschickte schmale Frauenhände drehen im Licht ein Paar Manschettenknöpfe hin und her. Zwischen dem strengen Silberrand der Fassung leuchten aus dem mit Gold unterlegten klaren Bernstein die winzigen zarten Mückenleiber der eingeschlossenen Insekten. Ein stilles Lächeln geht über das strenge Gesicht mit den seewasserhellen Augen – Augen, eindringlich und prüfend wie die eines Naturgeistes…“, so die Poetin über die Künstlerin. Toni Koy bekommt 1936 auf der internationalen Kunstgewerbeausstellung in Mailand ein Ehrendiplom für ihre Arbeiten. Von sich schreibt sie: „Ich selbst stelle mir die Aufgabe, den Bernstein so zu verarbeiten, jedes Stück in seiner Einmaligkeit hinzustellen, daß es über eine Mode hinaus seinen Wert behält.“ - „Und so wie man ein Kind, dessen Anlagen gegeben sind, nur erziehen kann, so entwickle ich die Form des Steins nicht von außen her mit dem Verstand, sondern von innen her, mit dem Herzen gehe ich an die Gestaltung eines jeden Stückes heran mit der Achtung vor dem Gewachsenen.“ Eine ihrer Lebens-Maxime ist „Werde du selbst, dann wird deine Arbeit.“

Nach 1945 ist sie bis ins hohe Alter als Goldschmiedin in Annaberg-Buchholz tätig. Einige ihrer Arbeiten, wie ihr Gesellenstück, ein goldener Ring mit einem Inklusenstein, Ketten und Dosen und einige Kleinkunstwerke kann sie bewahren. Einen Teil ihres kostbaren Vermächtnisses wird 1988 für das Bernsteinmuseum von Toni Koy erworben, die damals ihr Lebenswerk in Ribnitz gerne aufgehoben sieht. So ist die größte öffentliche Sammlung von Arbeiten der Goldschmiedin heute hier zu sehen. Vor einigen Tagen kam ein silbernes Anhängerkreuz, natürlich mit einem Bernsteineinschluss, hinzu und ein wunderbarer Weihnachtsbaumbehang. Das Kreuz, ein Konfirmationsgeschenk aus dem Jahre 1929 und der Baumbehang ein Gastgeschenk von Toni Koy an die damals in Königsberg lebende Mutter der großzügigen Spenderin Frau Gertrud Haug aus Göggingen.

Toni Koy ist am 14. Juni 1990 in Sonneberg gestorben. „Es formte deine Mädchenhand, kunstreich wie eines Alten Hände, Gerät und Schmuck und Lebensspende. Bis es dann leuchtend vor uns stand, Gebild, aus Urweltlicht geboren, von deiner großen Kunst beschworen.“ Agnes Miegel an die Künstlerin 1937.

Axel Attula